Wildes, seltenes und altes Obst

Als Hausmittel gegen so manches Zipperlein gepriesen, hat sich Wildobst das Attribut “gesund” über lange Zeit verdient. Es steckt aber nicht nur Medizin in den wilden Früchten, längst sind sie als kostbare Raritäten Genießern ein Begriff. In der Verarbeitung von Wildobst liegen die Anfänge der Destillerie Gottesgabe. Früh haben wir uns spezialisiert auf das, was vor unserer Tür wächst. Deshalb gehört der typische norddeutsche Schlehenlikör auch heute noch zu unseren Klassikern. Die Früchte dafür werden in den Knicks unserer Region gesammelt – weshalb es jedes Jahr nur eine kleine Menge gibt.

Mit den Jahren haben wir ein großes Fachwissen über Wildobst angesammelt und mit dem eigenen Anbau begonnen. Auf unserem Land stehen mittlerweile wilde Süß- und Sauerkirschen, Kirschpflaumen, Kornelkirschen und die Apfelbeere, Aronia (Bildfolge). Allen Wildfrüchten gemeinsam ist, dass sie züchterisch wenig beeinflusst sind. So hat sich ihr ursprünglicher, intensiver Geschmack erhalten können. Da die Züchtung Qualitäten wie Lagerfähigkeit, Transportfähigkeit oder Optik häufig den Vorzug gibt, ist das Aroma unseres Kulturobstes an einigen Stellen auf der Strecke geblieben.

Der herrliche Geschmack von Schlehen und Co. offenbart sich nicht immer mit dem ersten Bissen. Es bedarf raffinierter Verarbeitungsmethoden, um aus manch herber Frucht wohlschmeckende Spirituosen herzustellen. Je nach Verarbeitungsverfahren werden andere geschmackliche und gesundheitlich wirksame Bestandteile gelöst. Phenolische Antioxidantien und Vitamine sind in besonders hoher Zahl enthalten und natürlich erwünscht. In Maßen sind es auch Pektine und Bitterstoffe.

Doch nicht alles Kulturobst ist für unsere Zwecke ungeeignet. Glücklicherweise erleben alte Sorten heute eine Renaissance. Wer Zeit und Platz hat, kann sich wieder einen Apfelbaum pflanzen, dessen Früchte so schmecken wie aus Oma und Opas Garten. Ständig auf der Suche hat es auch Fiete Grimm schon in so manchen Bauerngarten verschlagen, in dem er alte Birnen- oder Quittensorten erspäht hatte. Freundliche Besitzer haben sich immer über das Interesse gefreut und haben bereitwillig Edelreiser zur Vermehrung gegen ein Fläschchen getauscht. So wächst unser Fundus stetig.

Wie wild ist Wildobst?

Das Bundessortenamt schreibt: “Unter Wildobstarten versteht man züchterisch nicht oder kaum bearbeitete Arten von Wildgehölzen, deren Früchte gesammelt und genutzt werden. (…) Wildobstarten werden in Gärten und Parks als Frucht- und Ziergehölze angepflanzt und in steigendem Maße auch erwerbsmäßig angebaut.”

Beschreibende Sorten-
liste 1999